Sonntagsgedanken

Wir wollen Ihnen die Möglichkeit geben, die Gedanken des vergangenen Sonntages noch einmal zu studieren und einwirken zu lassen, während wir uns bereits auf den nächsten Sonntag vorbereiten! An dieser Stelle sollen nicht einfach nur Predigten veröffentlicht werden, sondern die Überlegungen zu einem Predigtthema immer eines anderen Priesters unserer Pfarreien St. Maximilian und Heilig Geist zum Nachlesen ermöglicht werden. Vielleicht ist da ein Satz oder eine Idee, die Sie die ganze Woche begleiten kann. Immer nach einer Woche wird dann dieser Text von der Website heruntergenommen und mit einem neuen Text aktualisiert. Wir wollen immer möglichst nah dran sein am letzten Sonntag und dafür danken allen Geistlichen unserer beiden Pfarreien, die sich an diesem Dienst für Sie beteiligen.


08.09.2019

Maß halten, Grundlagen schaffen

Manchmal muss man sich selbst etwas bremsen. Es ist zwar durchaus lobenswert, wenn man mit Eifer und Engagement sich einer Sache annimmt, aber ab und zu ist es auch des Guten zu viel. Das gilt vor allem bei Dingen, bei denen eine gute Vorbereitung wichtig ist. Ich denke zum Beispiel an meinen eigenen Lateinunterricht zurück. Wie begeistert war ich, als ich die ersten lateinischen Wörter lesen und übersetzen konnte. Immer wieder habe ich damals gleich auch die letzten Seiten des Schulbuches aufgeschlagen und versucht, die komplizierten Texte auch schon zu entschlüsseln. Aber letztlich hat sich genau dieser Eifer als Fehler herausgestellt. Denn gerade bei einer Sprache kommt es ja nicht darauf an, möglichst schnell große Sprünge zu machen. Wie bei so vielem sind hier die Grundlagen wichtig. Das heißt: Vokabeln müssen wieder und wieder gepaukt werden, die Grammatik muss man regelmäßig üben, man muss ganz kleine Schritte machen.

„Repetitio est mater studiorum“, heißt deshalb auch ein altes lateinisches Sprichwort: „Die Wiederholung ist die Mutter des Lernens“, oder wie wir eher sagen: „Steter Tropfen höhlt den Stein“ (des Nichtwissens). Nicht mit dem übereifrigen Schnell-schnell kommt man weiter, sondern dadurch, dass man von Anfang an beständig dahinter ist. Wenn die Grundlagen fehlen, wenn ein schlechtes Fundament gelegt ist, wird man an den schweren Texten erst recht scheitern.

Wie wird man Christ? Schritt für Schritt

Manchmal muss man sich selbst etwas bremsen: Das gilt auch im Blick auf unseren christlichen Glauben. Wir neigen dazu, andere in irgendetwas übertreffen zu wollen oder mehr haben zu wollen als andere. Wer dazugehören will und sich das Christsein etwas kosten lässt, gerät womöglich unbewusst schnell in Versuchung, sich als Vorzeige-Christ zu sehen und „beweisend“ aufzuzählen, wie oft man den Gottesdienst besucht oder den Rosenkranz betet. Es gibt auch im Glauben ein Zuviel. Und dieses Zuviel geht meistens mit unlauteren Motiven einher: Wir meinen, wir müssen öfter den Gottesdienst besuchen oder öfter das Sakrament der Buße empfangen, weil wir nur dadurch fromm werden, oder um anderen unsere Frömmigkeit zu zeigen. Da muss man auch als Christ aufpassen, um das richtige Maß nicht zu verfehlen, das für einen selbst passt und angemessen ist.

Im Evangelium weist uns Jesus deshalb darauf hin, wie wichtig es ist, auch im Glauben ein gutes Fundament zu haben. Man kann schnell der Versuchung erliegen, immer höher hinauszuwollen und immer das Größere zu suchen. Aber wenn das Fundament nicht da ist, dann hat das alles keinen Bestand. Es ist letztlich ein Strohfeuer, das groß aufflammt und genauso schnell wieder erlischt. Wenn das Fundament fehlt, dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis das ganze Gebäude in sich zusammenstürzt.

Immer wieder neu nachfolgen

Auf unseren Glauben bezogen, heißt das: Es ist wichtig, klein anzufangen und sich Schritt für Schritt voranzutasten. Und dieses „Schritt für Schritt“ ist bei Jesus wörtlich zu nehmen. Denn er sagt ja: das wirklich stabile Fundament können wir nur dadurch legen, dass wir ihm nachfolgen. Dass wir ihm nachgehen, ihm nicht mehr von der Seite weichen und immer neu auf sein Wort hören. Dadurch wird das Fundament für den Glauben gelegt. Es ist gut, wenn wir uns immer wieder darauf besinnen. Wenn wir fähig werden, dieses Fundament mit Bedacht zu legen und viel Mühe darauf verwenden. Nur dann können wir auch im Glauben das Große erreichen. Nur dann sind wir fähig, selbst Verkünder des Evangeliums zu sein und andere mit unserer Begeisterung für Jesus anzustecken.

Manchmal muss man sich selbst etwas bremsen, um nicht zu hoch hinauszuwollen und am Ende festzustellen, dass man gar nicht die Mittel dafür bereit hat. Daher ist es entscheidend, sich vorher genug Gedanken über das Vorhaben zu machen und schön langsam nacheinander den großen Bau anzugehen. Verlieren wir uns auch im Glauben nicht in irgendwelchen fantastischen Vorstellungen. Sondern blicken wir immer wieder auf Jesus, der am Kreuz seine Arme ausgebreitet hat, um uns alle an sich zu ziehen. Besinnen wir uns immer neu auf den Grund unseres Glauben, auf ihn, der uns in seine Nachfolge gerufen hat. Nur dann haben wir ein wirklich festes Fundament, auf dem wir weiterbauen können.


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