Wir wollen Ihnen die Möglichkeit geben, die Gedanken des vergangenen Sonntages noch einmal zu studieren und einwirken zu lassen, während wir uns bereits auf den nächsten Sonntag vorbereiten! An dieser Stelle sollen nicht einfach nur Predigten veröffentlicht werden, sondern die Überlegungen zu einem Predigtthema immer eines anderen Priesters unserer Pfarreien St. Maximilian und Heilig Geist zum Nachlesen ermöglicht werden. Vielleicht ist da ein Satz oder eine Idee, die Sie die ganze Woche begleiten kann. Immer nach einer Woche wird dann dieser Text von der Website heruntergenommen und mit einem neuen Text aktualisiert. Wir wollen immer möglichst nah dran sein am letzten Sonntag und dafür danken allen Geistlichen unserer beiden Pfarreien, die sich an diesem Dienst für Sie beteiligen.

15.08.2017

Ostern und Himmelfahrt sind keine Fake-News! Wir feiern mit Maria das Fest, das auch unserem Leib Zukunft gibt.

„Ich wollte heute eigentlich persönlich zu Ihnen sprechen, nun bin ich aber selbst gekommen.“ So eröffnete einmal Heinz Erhardt einen Vortragsabend. Wenn dieser Komiker auf der Bühne stand, dann war er „voll da“, leibhaftig. Und ich? Bin ich heute selbst gekommen? Und was tue ich da? Ich bin ein Sterblicher und erzähle vom Ewigen.

Mit schwachen Worten von Gottes Ganz-Einsatz reden

Also: Hoffentlich bin ich jetzt da – körperlich und beseelt, lebhaft und leidenschaftlich. Es wäre fatal, wenn ich ihnen lustlos vom Himmel erzählte und das Pflichtprogramm vom Leib Marias herunterspulte, in dem Gott Wohnung nahm. Routiniert kann ich diesen Muttertag der Kirche nicht feiern, dieses Sommeros-tern! Denn wir lassen heute das „Gefäß“ Gottes hochleben, das Er nicht dem Nichts überlässt, sondern verwandelt, nach Hause holt. Die Kirche betont: Maria ist nicht als Seelenfünkchen, sondern mit Leib und Seele gut bei Gott angekommen. Mit schwachen Worten versuche ich, Ihnen diesen „Geburtstag der Ewigkeit“, das Fest von Marias glücklicher Ankunft in Gott, nahezubringen. Die Lieder und der Sommerhimmel helfen dabei. Denn wir feiern Gottes ganzen Einsatz, diese Frau zu retten und uns mit ihr in Berührung zu bringen. Wenn doch nur etwas von ihrem schön-schweren Leben und Glauben auf uns abfärbte, von ihrer Reaktionsschnelle, im richtigen Moment Ja zu sagen, und von ihrer Selbstvergessenheit!

Manchmal erlebe ich mich nur körperlich anwesend, bin in Gedanken ganz woanders; ich träume mich in andere Körper und Leben hinein und komme doch nicht aus meiner Haut heraus. Der Leib, in dem wir sind, erlaubt Begegnung und ist unüberwindliche Grenze. Wir haben eben nicht nur Leib, jeder ist ein individueller Leib, der uns zuweilen einen Strich durch die Rechnung macht, der „todverfallen“ ist (Röm 7,24f). Wir haben und sind Körper, über den wir nur begrenzt verfügen, den wir uns nicht – maßgeschneidert – ausgesucht haben, den wir nur begrenzt „modellieren“ können. Der Leib ist mir vom Schöpfer zugedacht. Ich bin Leib und Seele, bin ohne Leib nicht denkbar.

Dieses „Sommer-Ostern“ verbietet alle Leibfeindlichkeit

Wir sind nicht virtuell hierhin gelangt, sondern höchstpersönlich – mit dem eigenen Leib, den wir zuweilen überfordern, den wir nicht erniedrigen und missbrauchen dürfen. Auch nicht den Leib der anderen! Leibhaftig haben wir uns in dieses Gotteshaus begeben, als „Körperkirche“ wollen wir dieses Fest feiern, das so viel von Leben und einem guten Ziel für Leib und Seele erzählt. Ein Fest, das überschwänglich die Liebe Gottes zu Leib und Erde zelebriert. Ein sinnenfrohes, nach Ostern duftendes Fest, das es uns verbietet, leibfeindlich zu leben und zu glauben. Weltfremde Fluchten und Selbstverachtung werden uns heute untersagt: als könne der Leib, die Schöpfung ruhig zum Teufel gehen, wenn nur die Seele ewig selig wird. Ja, auch mein erdenschwerer Leib soll entlastet, gereinigt, erhoben werden. Meinem und deinem Leib steht eine Himmelfahrt bevor.
Wir müssen nicht glauben. Wir sind eingeladen zum Staunen: Sagt an, wer ist doch diese, die mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen ist und vom Himmel her auf Menschen, die sie mögen, einen Eindruck macht – z.B. in Fatima, wo sie sich vor 100 Jahren zeigte. Sie selbst, höchst persönlich, kein Geist. Sie, mit dem Leib der Vollendung, mit ihrem verklärten Auferstehungsleib; Sie, die in der Nähe Gottes leben, die Ostern schon jetzt auskosten darf und uns Licht vom Ostermorgen mitbringt. Diese Eine, die das Unmögliche zuwege und Gott zur Welt brachte, sucht Begegnung mit uns. Sie ist nicht „verduftet“. Die Kräuter, die heute gesegnet werden, lassen den Duft des Lebens, die Heilkraft der Schöpfung, auch das „Parfüm der Auferstehung“ riechen. Sie, die Gott so stimmhaft Resonanz gab, will mich anrühren, damit auch ich Ihm mit Leib und Seele Resonanz gebe und nach Ihm „rieche“. Sie „erscheint“ und hofft, dass wir ganz vor Ihm erscheinen mit Leib und Seele, nicht nur körperlich, halbherzig, pflichtgemäß.

Mariä Himmelfahrt müssen wir nicht glauben. Das Dogma bittet um Glauben! Wie schön für uns alle, wenn diese Frau gerettet ist – und wir einmal mit ihr! Maria hat am eigenen Leib erfahren, dass Himmel, Vollendung und Ostern keine folgenlosen Worte, keine Fake-News sind. Sie darf Gottes Ja-Wort zu ihrem Leib hören. Ihre glückliche Ankunft hat sie sich nicht verdient; auch sie konnte nur auf das Wunder der Himmelfahrt hoffen! Sie hat sich ja nicht mit ihrer frommen Lebenskraft nach oben gearbeitet. Sie darf das Wunder der „Aufnahme des Fleisches“ in Gottes neue Welt als Geschenk erfahren. So macht sie uns Hoffnung: Wir feiern im Blick auf die Magd und Himmelskönigin, dass Gott seine Geschöpfe herzlich liebt, die großen und die kleinen, die berühmten und vergessenen, die formvollendeten und die unansehnlichen. Er liebt uns mit Haut und Haaren, mit Kopf und Bauch, mit Leib und Seele.