05.12.2008

Liebe Abendzeitung,...

Kinderschreck oder Partygeck? Unser heiliger Nikolaus deckt irgendwie beides ab. Von der Geschichte her gehört er ja eigentlich zu den gütigen Heiligen des Alltags neben Sankt Martin und einer heiligen Elisabeth. Unverständlicherweise aber diente er viel zu lange als unverzichtbarer Bestandteil in der häuslichen Kindererziehung. Aus dem mit Spannung erwarteten, aber liebevollen Besuch des großherzig schenkenden Mannes wurde so ein Revisionstermin mit kleinlicher Jahresabrechnung, ein erzieherischer Showdown, der den Kindern eher Angst als Freude machte, und der am Ende dann doch mit Schokolade versüßt wurde. Heute nun braucht der heilige Mann selbst dringend Hilfe. Unerträglich groß ist die Verkitschung rund um seine Gestalt geworden. Vom Coca-Cola Weihnachtsmann bis zu Väterchen Frost – für alle muss er Pate stehen und auch die Pornoindustrie hat ihn längst für sich entdeckt. Selbst bei ganz soliden Vereinsweihnachtsfeiern dient er neben der obligatorischen Christbaumversteigerung gerade noch der Unterhaltung und dem Jahresrückblick in lustiger Reimform. Irgendwie wird da ein altes Sprichwort wahr: „Wirfst Du den wahren Glauben einmal aus dem Fenster, kommt er zurück – und zwar als Gespenster!“


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