14.11.2009

Liebe Abendzeitung,...

5 Euro und 7 Cent zeigt die Registrierkasse im Supermarkt an. Verlegen zieht die junge Frau vor mir in der Schlange einen 5-Euro-Schein. Sie habe zwar mitgerechnet, aber nur 5 Euro dabei, erklärt sie. „Gut“, sagt die Kassiererin, „was soll weg von diesen Sachen?“
Exakt das war mein Moment. Im Griechischen nennt man ihn den „kairos“. Ohne große Vorankündigung gilt es sofort Entscheidungen zu treffen, die für die Zukunft wichtig sein können. Ob Hass oder Freundschaft, Gewalt oder Friede, Gemeinschaft oder Trennung das Leben bestimmen, es wird in diesem einen Augenblick grundgelegt. Deswegen stürzen auch Mauern ein, so wie vor 20 Jahren in Deutschland, und findet ein Volk wieder zusammen. Feinde können sich die Hand reichen und die Mächtigen der Welt sitzen einmütig beisammen. Wie gesagt: Es darf nur der richtige Moment nicht verpasst werden, damit so etwas passiert!„Die 7 Cent gehen auf mich“, sage ich aus der Warteschlange heraus, noch bevor sich die junge Frau entscheiden konnte, auf welchen Artikel sie verzichten wird. Mit einem dicken Dankeschön, einem faszinierenden Lächeln und mit Toastbrot, Käse, Schinken und Kinderschokolade unterm Arm entschwindet sie dem Supermarkt. Läppische 7 Cent haben ausgereicht, um einen Menschen glücklich zu machen – und ich meine jetzt mich damit.


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