Sonntagsgedanken

Wir wollen Ihnen die Möglichkeit geben, die Gedanken des vergangenen Sonntages noch einmal zu studieren und einwirken zu lassen, während wir uns bereits auf den nächsten Sonntag vorbereiten! An dieser Stelle sollen nicht einfach nur Predigten veröffentlicht werden, sondern die Überlegungen zu einem Predigtthema immer eines anderen Priesters unserer Pfarreien St. Maximilian und Heilig Geist zum Nachlesen ermöglicht werden. Vielleicht ist da ein Satz oder eine Idee, die Sie die ganze Woche begleiten kann. Immer nach einer Woche wird dann dieser Text von der Website heruntergenommen und mit einem neuen Text aktualisiert. Wir wollen immer möglichst nah dran sein am letzten Sonntag und dafür danken allen Geistlichen unserer beiden Pfarreien, die sich an diesem Dienst für Sie beteiligen.


18.10.2020

Danken schützt vor Wanken, Loben zieht nach oben

Ein Kleinstlebewesen hat unser Leben in diesem Jahr geprägt und verändert, ein Virus. Corona. Manche Einschränkung mussten wir in Kauf nehmen, unsere Geduld wurde arg strapaziert, Belastungsgrenzen sind bis zur Erschöpfung ausgereizt worden. Ein altes Sprichwort fasst eine Lebensweisheit, die aus der biblischen Botschaft abgeleitet werden kann, so zusammen: Danken schützt vor Wanken, und Loben zieht nach oben. Im Theater kommt es darauf an, worauf der Scheinwerferkegel gerichtet wird. Worauf richten wir den Scheinwerfer in diesen Stunden und Tagen unseres gegenwärtigen Welttheaters? Worauf möchten wir den Scheinwerferkegel richten, wenn wir uns dem Evangelium zuwenden mit seinem so wirkmächtigen Schlusssatz „Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört“?

Ein wenig führen immer wir selbst Beleuchtungsregie in unserem Leben. Wir führen auch Beleuchtungsregie bei der Auslegung eines Textes, bei der Deutung eines Abschnittes aus der biblischen Botschaft. Worauf wir unser Augenmerk richten, das hängt vielfach von den Erfahrungen ab, die wir in unserem Leben gemacht haben. Die wiederum hängen zusammen mit den Umständen und der Zeit, in der wir leben, und mit den Entscheidungen, die wir treffen. Die Herbstzeit ist Zeit der Ernte. Diese Jahreszeit lädt ein zum Danken und Loben, sie lädt ein, unseren Lichtkegel auf das zu richten, wofür wir danken und was wir loben können. Unsere durch Corona geprägte Zeit verführt jedoch mehr zum Klagen und Jammern als zum Danken und Loben. Es gibt aber auch Dinge, für die wir von Herzen dankbar sein können. Etwa für die uns geschenkte Zeit, die Entschleunigung unserer Gesellschaft, jedenfalls im Gesamten, eine Wiederentdeckung von Besonnenheit, Langsamkeit, Achtsamkeit und Solidarität, dafür, dass wir kreativer geworden sind und Dinge wagen, die wir uns bislang nicht zugetraut haben. Und wir sind aufmerksamer geworden auf das, wofür wir uns selbst und andere loben können. Das droht im Getriebe des Alltags oft unterzugehen. Wir leben so selbstverständlich damit und davon. Dazu gehören auch der Rückhalt, die Kraft, der Mut und das Vertrauen, das im Glauben an Gott und im Hören auf sein Wort gefunden werden kann.

Mt 22,15-21 in unterschiedlichem Licht

Worauf wollen wir die Lichtkegel richten, wenn wir uns dem Evangelium dieses Sonntags zuwenden? Es ist im Laufe der Zeit recht unterschiedlich ausgeleuchtet worden, zum Teil mit sehr tragischen Folgen. Die einen betonen, dem Kaiser sei zu geben, was ihm zusteht. Denn im Römerbrief wird ja dazu aufgefordert, sich den Trägern der staatlichen Gewalt unterzuordnen. Sie seien ja schließlich von Gott eingesetzt. Diktatoren lieben diese Deutung. Adolf Hitler zum Beispiel berief sich immer wieder auf die göttliche Vorsehung. Dagegen legen andere den Schwerpunkt darauf, Gott zu geben, was Gott gehört. Sie beziehen sich auf eine Erzählung aus der Apostelgeschichte. Da ist den Apostel verboten, vom auferstandenen Jesus zu reden, sie tun es aber trotzdem. Dafür müssen sie sich verantworten und sagen: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen. Darauf haben sich immer wieder Menschen berufen, die wegen ihres Glaubens im Widerspruch zur gängigen oder verordneten Meinung stehen und Widerstand leisten. Nicht selten mit hohem Risiko und dem Einsatz ihres Lebens, sei es im Nationalsozialismus oder in Staaten des ehemaligen kommunistischen Ostblocks oder heute in den vielen Ländern, in denen Christen wegen ihres Glaubens verfolgt und unterdrückt werden.

Wem gehorsam?

Jesus wird eine Fangfrage gestellt, auf die er eigentlich nur falsch antworten kann: Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuer zu zahlen oder nicht? Die Römer hatten das Recht, Steuern einzuziehen und deren Höhe festzusetzen. Die Menschen klagten unter der Last der Steuern. Sie empfanden sie oft als willkürlich, viel zu hoch und als Ausbeutung. Die römischen Machthaber waren verhasst. Wer aber keine Steuern zahlen wollte, galt als suspekt und gefährlich, als nicht loyal der Staatsmacht gegenüber und als ein möglicher Aufrührer. Antwortet Jesus, dass es nicht recht ist, dem Kaiser Steuern zu zahlen, widersetzt er sich der staatlichen Macht und outet sich als unsicherer Kantonist. Wenn Jesus aber antwortet, man solle dem Kaiser und damit der weltlichen Macht Steuern entrichten, macht er sich im jüdischen Gottesglauben, in seiner religiösen Tradition unmöglich. Der Gehorsam gegenüber Gott und seinem Wort und seiner Weisung in der Tora steht über allem. Eine Zwickmühle ohne Ausweg …

Jesus lässt sich eine Münze geben, mit der die Menschen ihre Steuern zahlen. Diese Münze trägt das Bild des Kaisers und Symbole seiner Macht. Die Menschen haben sie in der Tasche und benutzen sie. Damit erkennen sie dessen Machtanspruch für die Regelung der Dinge des alltäglichen Warenverkehrs an. Gebt also dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, sagt Jesus, und gebt Gott, was Gott gehört. Was gehört Gott? Was gebührt Gott? Gott die Ehre zu geben und ihn anzuerkennen bedeutet, auf seine Weisung zu hören und ihn zur Grundlage des ganzen Lebens zu machen. Die Münze, mit der im Leben zu bezahlen ist, ist der Mensch. Mit seinem ganzen Leben. Vom Menschen sagt die Bibel: Er ist Abbild Gottes. Er darf, kann und soll sein lebendiges Abbild sein.

Gott und die Welt

Gott ist ohne die Welt nicht zu denken. Die Welt trägt seine Handschrift, auch wenn diese manchmal nur noch sehr schlecht erkennbar ist. Er lässt sich die Welt und den Menschen viel kosten. Er hält sich nicht vornehm zurück. Der Preis, den er zu bezahlen bereit ist, ist er selbst in Jesus Christus mit seinem Weg von der Krippe bis zum Kreuz. Christsein kann sich deshalb nicht vornehm zurückziehen in die Sakristei oder auf die Zuschauerränge. Christen können die Welt nicht nur anderen überlassen, dass die sich an und in der Welt die Hände schmutzig machen. In der Welt wird es kalt und brutal, wenn Gott und seine Wegweisung zum Leben keine Rolle mehr spielen, wenn Menschen nichts und niemand heilig ist, wenn sie auch Gott und seinen Namen nicht mehr heilig halten. Ein Christsein ohne sich auf Gott und das Wort der Bibel zu beziehen, ist bestenfalls gute Sozialpolitik, die aber im Tiefsten nicht trösten und ermutigen kann.

Das Verhältnis zwischen dem, was Gott gehört, und dem, was weltlich zu regeln ist, muss immer wieder neu ausbalanciert werden. Die Corona-Krise hat uns massiv darauf aufmerksam gemacht. Da war und ist es wichtig, dass vieles von der weltlichen Macht angesagt und verordnet wird. Die aber muss begrenzt werden: Die Krise darf nicht zum Vorwand werden, Menschen in ihren Menschenrechten zu beschneiden. Um eine menschliche Zukunft zu gestalten, braucht es eine Orientierung an Gott und an den Seligpreisungen. Selig sind die Barmherzigen, selig sind, die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit. Dieser Hunger und Durst, die von Gott inspirierte Barmherzigkeit, sie kennzeichnen Gottes Währung. Sie sind bevorzugte Zahlungsmittel von Christen.

Heinz-Willi Rivert SAC


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