Pfarrbrief Weihnachten 2018

EIN KIND DER LIEBE

In einem Stall zu übernachten war nicht anrüchig damals. Vielleicht war es wirklich so wohlig, wie es unsere Weihnachtskrippen es darstellen. Für uns Großstädter in unseren beheizten Wohnungen von heute ist das womöglich unvorstellbar, aber für die Menschen von damals vielleicht schon. Damals war die Welt voller Ställe, auch in unserem Land. Man war alles andere als arm, wenn man einen solchen Stall besaß, eine Unterkunft für die Tiere und einen trockenen Lagerplatz fürs Heu. Man bot sie auch ohne schlechtes Gewissen Menschen zur Unterbringung an, die durchs Land zogen. Wie Josef und Maria. Sie waren glücklich darüber, einen solchen ruhigen Ort angeboten zu bekommen. Hier bringen sie nun die Liebe zur Welt.

Ein Kind der Liebe ist Jesus. Ein Kind der Liebe Gottes zur Welt. Und ein Kind der liebenden Fürsorge seiner Eltern. Es ist Liebe, alltägliche Fürsorge, ohne lange zu fragen oder überhaupt gar nicht zu fragen. Man tut alles, was nötig ist, wenn ein Kind das Licht der Welt erblickt. Man wirkt zusammen für Andere.

So stellt sich Gott Liebe vor, nicht nur als ein sinnliches Gefühl und spirituelles Erleben, sondern in erster Linie als alltägliche Fürsorge an denen, die sie dringend benötigen. Das heißt leben für die, denen es an Leben fehlt, und die lieben, die der Liebe entbehren. Man tut es einfach, nicht gerade mit Pauken und Trompeten, sondern mit dem, was wir gerade so können: Das Geringe achten, die Verstörten an der Hand nehmen, die Verlaufenen heimführen oder es zumindest versuchen. Ja, die Liebe hält die Welt zusammen.

Darum kommt Gott zur Welt und gibt es das Weihnachtsfest: Nicht Lärm und Gewalt, Gier und Macht, sondern Fürsorge, Rücksicht und Achtsamkeit halten diese Welt zusammen. Hier im Stall von Bethlehem liegt das Geschenk Gottes nun in einem einfachen Stall in den liebenden Händen von zwei einfachen Menschen. Dieses Geschenk der Liebe ist leise und zart – und so gerade die lauteste Stimme gegen alle Gewalt und Ungerechtigkeit in dieser Welt!Ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest wünscht Ihnen Ihr

Rainer M. Schießler, Pfarrer



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