Wir wollen Ihnen die Möglichkeit geben, die Gedanken des vergangenen Sonntages noch einmal zu studieren und einwirken zu lassen, während wir uns bereits auf den nächsten Sonntag vorbereiten! An dieser Stelle sollen nicht einfach nur Predigten veröffentlicht werden, sondern die Überlegungen zu einem Predigtthema immer eines anderen Priesters unserer Pfarreien St. Maximilian und Heilig Geist zum Nachlesen ermöglicht werden. Vielleicht ist da ein Satz oder eine Idee, die Sie die ganze Woche begleiten kann. Immer nach einer Woche wird dann dieser Text von der Website heruntergenommen und mit einem neuen Text aktualisiert. Wir wollen immer möglichst nah dran sein am letzten Sonntag und dafür danken allen Geistlichen unserer beiden Pfarreien, die sich an diesem Dienst für Sie beteiligen.

13.06.2021

Haben Sie gut geschlafen heute Nacht? Das ist eine Frage, die man immer wieder einmal gestellt bekommt. Es ist ja auch gut und wichtig, nachts ordentlich durchzuschlafen, um am Morgen auch wieder frisch und munter zu sein. Die Nacht ist da, um neue Kraft zu tanken, um sich auszuruhen von den Strapazen des vergangenen Tages, um mit Energie wieder das Tagewerk zu beginnen. Wer gut geschlafen hat, der kommt am nächsten Morgen auch schnell aus den Federn und ärgert sich hoffentlich nicht, weil man noch gerne etwas länger im Bett geblieben wäre.

Haben Sie gut geschlafen heute Nacht? Nicht immer können wir diese Frage auch mit Ja beantworten. Oft genug gibt es Nächte in unserem Leben, in denen wir nicht gut schlafen, in denen wir uns hin und her wälzen und unterunterbrochen auf den Wecker schauen. Manchmal sind es Sorgen oder Ängste, die uns wach halten und die uns nicht zur Ruhe kommen lassen. Wenn am nächsten Tag zum Beispiel ein besonderes Ereignis ansteht, dann macht man sich im Vorfeld schon oft unnötige Gedanken, wie das wohl alles werden wird.

Müßiggang – aller Laster Anfang?

Ausruhen, zur Ruhe kommen, daran ist häufig nicht zu denken. Und daran sind wir nicht immer selbst schuld. Es gibt in unserer Gesellschaft eben gewisse Erwartungshaltungen, die uns zu einem besonderen Verhalten drängen. Und dazu gehört eben auch, dass man nur angesehen ist, wenn man möglichst fleißig ist, wenn man beinahe ununterbrochen arbeitet. Wer sich Auszeiten nimmt, wer diesem Leistungsdruck nicht nachgibt, der wird oft schief angeschaut. Mitunter heißt es dann gleich, man sei faul oder habe einfach nicht die nötige Motivation zum Arbeiten. All das kommt einem gleich zu Ohren, wenn man nicht immer nur fleißig am Werk ist. Man muss nicht gleich ein „Workaholic“ sein, aber „Müßiggang ist aller Laster Anfang“, weiß der Volksmund.

Ein ganz normaler Rhythmus

Ein ganz anderes, viel wohltuenderes Bild, stellt uns Jesus im heutigen Evangelium vor: Das Gleichnis von der selbstwachsenden Saat. Da ist nichts zu hören von schlaflosen Nächten oder von einer unbändigen Sorge, was sein oder passieren könnte. Vielmehr wird da etwas ganz anderes geschildert: „... dann schläft er und steht wieder auf, es wird Nacht und wird Tag, der Samen keimt und wächst und der Mann weiß nicht, wie.“ Schlafen und Aufstehen, Nacht und Tag, das ist der ganz normale Rhythmus des menschlichen Lebens. Ob die Nächte des Mannes, von dem Jesus erzählt, schlaflos waren – es bleibt offen. Aber scheinbar hat er sich nachts nicht mit Sorgen im Bett gewälzt, denn der Samen keimt und wächst ja. Alles ist gut und deswegen kann sich der Mann zurücklehnen und abwarten. „Die Erde bringt von selbst ihre Frucht“, heißt es weiter. Im griechischen Originaltext steht hier ein Wort, dass wir aus unserer Alltagssprache bis heute gut kennen: „automatisch“. Die Erde bringt „automatisch“ ihre Frucht hervor: Ganz von selbst, ganz ohne menschliches Zutun. Und das ist auch der Grund, warum sich der Mann sorglos seines Lebens freuen kann. Er kann das Wachstum seiner Saat sowieso nicht ändern und er kann darauf vertrauen, dass das Samenkorn schon automatisch aufgeht und emporwächst. Das führt in seinem Leben zu einer gelassenen Haltung.

Erkennen, wann sich Sorgen lohnen

Sich zurücklehnen, die Sorgen fahren und den „Herrgott einen guten Mann sein lassen“, wie man so sagt, das fällt uns Menschen oftmals schwer. So viele Gedanken kreisen in unserem Kopf, auch so viele Sorgen belasten uns. Gerade die Corona-Pandemie hat gezeigt: Menschen können nicht nur aufgrund des Virus erkranken, sie können auch krank vor Sorge und Angst werden. Das macht das Leben nicht leichter, ganz im Gegenteil. Aber umso wichtiger ist es, dass wir auch erkennen, wann es sich nicht lohnt, sich Sorgen und Ängsten hinzugeben. Karl Valentin hat einmal den schönen Spruch gesagt: „Wenn es regnet, kann ich mich aufregen. Aber deswegen regnet es trotzdem weiter.“

Aufregung ist nicht gut und vor allem dann nicht, wenn man eh nichts ändern kann. So viele Menschen machen sich unnötige Gedanken, über Dinge, die gar nicht in ihrer Macht stehen. Sie wenden ihre Energie für Sachen auf, die sie nicht beeinflussen können. Wie oft ärgert man sich nicht über das Wetter? Wenn es im Sommer warm ist, dann hört man Rufe, dass es doch besser nicht so warm wäre. Und wenn es aber kalt ist und regnet, dann beschweren sich die Menschen, ob es denn nicht endlich mal wärmer sein könnte. Dieses Hin und Her, dieses immer Ärgern, egal, was ist, das kennt man nur allzu gut. Und vielleicht ist man selber gerne vorne mit dabei, wenn es darum geht, sich über dieses oder jenes zu beschweren. Aber das vergiftet eben das Leben, es macht nicht glücklich, sich über etwas zu ärgern, das man nicht ändern kann.

Der Mut, wachsen zu lassen

Ganz anders hört sich das an, was uns Jesus heute ans Herz legt: Lehn dich zurück! Lass deine Sorgen fahren! Kümmere dich nicht um Dinge, die nicht in deinem Verantwortungsbereich liegen! Manches geschieht ganz von alleine, ohne unser Zutun. Automatisch bringt der Boden seine Frucht hervor, ganz von alleine wächst das kleine Pflänzchen gen Himmel empor. Freilich: Ein bisschen Zutun braucht es schon, damit aus dem Samenkorn eine Pflanze wird. Aber sie wächst nicht schneller, wenn wir daran ziehen. Man muss den Mut haben, sie wachsen zu lassen. Das ist eine Haltung, die man sich manchmal hart erarbeiten muss.

Säen und vertrauen

Für Jesus ist eine solche Haltung der Gelassenheit grundentscheidend. Im Blick auf die Botschaft des Evangeliums soll sich der Verkünder nicht unmäßig aufreiben oder abarbeiten. Im Kontext, in dem Jesus das Gleichnis im heutigen Evangelium erzählt, heißt das: Wir alle sind aufgerufen, den Samen des Gottesreiches inmitten dieser Welt auszusäen – aber wir sind nicht dafür verantwortlich, dass er auch aufgeht. Das Keimen und Wachsen der Saat geschieht automatisch, von selbst, ohne unser Zutun. Das heißt: Wir dürfen darauf vertrauen, dass es Gott schon gut macht. Wir dürfen glauben, dass wir nicht alles allein und aus eigener Kraft schaffen müssen. Gott kümmert sich, er sorgt sich um uns. Deswegen darf man sich auch einmal zurücklehnen und durchschnaufen, deshalb muss man nicht immer nur arbeiten und ackern und sich Sorgen machen. Sei gelassen und üb dich immer wieder in dieser Gelassenheit: Das ist das Plädoyer, das im Gleichnis von der selbstwachsenden Saat steckt.

Haben Sie gut geschlafen heute Nacht? Vielleicht können wir demnächst besser schlafen, wenn wir uns freimachen von den Sorgen, die uns bis tief in die Nacht hinein quälen. Wenn wir uns wieder bewusst machen, dass da jemand ist, der sich um uns sorgt; dass wir nicht alles in unserer Hand haben, aber dass es jemanden gibt, der die Welt lenkt und alles zum Guten führt. Diese Gewissheit fasst ein Lied aus unserem Gotteslob sehr eindrücklich zusammen. Dort heißt es: „Was Gott tut, das ist wohlgetan, es bleibt gerecht sein Wille; wie er fängt seine Sachen an, will ich ihm halten stille. Er ist mein Gott, der in der Not mich wohl weiß zu erhalten; drum lass ich ihn nur walten“ (GL 416, 1). – Gott walten lassen und sich selbst zurücklehnen in der Gewissheit, dass er alles zum Guten führt: Diese Haltung sollen und dürfen wir immer wieder neu einüben und leben.

Fabian Brand